22. April 2021

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Behörde beginnt Untersuchungen zur Blockade des Suezkanals

Am Suezkanal pfeift der Wind oft mit hoher Geschwindigkeit über das Wasser. Crews sind darauf eigentlich eingestellt. Ermittler sollen nun klären, wie die «Ever Given» trotzdem auf Grund laufen konnte.

Nach dem Ende der Blockade im Suezkanal und vermutlichen Verlusten in Milliardenhöhe haben Ermittlungen zur Unfallursache begonnen.

Die Kanalbehörde forderte den Schiffsdatenschreiber des Containerschiffs «Ever Given» an, das vor gut einer Woche im Kanal auf Grund gelaufen war. Das sagte ein Berater der Behörde der staatliche Nachrichtenseite Al-Ahram zufolge am Dienstagabend. Am Mittwoch sollte die Behörde alle Angaben der «Ever Given» vor und während des Unfalls erhalten. Der Ermittler wollen unter anderem Unfall- und Wartungsberichte sowie Schiffsanlagen prüfen.

Usama Rabi, Vorsitzender der Kanalbehörde, hatte einen technischen Fehler sowie menschliches Versagen als mögliche Ursache genannt. Das Ermittlungsteam will deshalb auch Funksprüche während des Vorfalls sowie Handlungen und Anweisungen des Kapitäns prüfen. Das Unternehmen Bernhard Schulte Shipmanagement (BSM), das für die technische Leitung der «Ever Given» verantwortlich ist, hatte nach dem Unfall «starken Wind» als Ursache genannt. Die Ermittlungen sollen innerhalb weniger Tage abgeschlossen sein.

Die Verantwortlichen am Kanal bemühen sich unterdessen, einen der größten Schifffahrt-Staus der vergangenen Jahre so schnell wie möglich aufzulösen. Mehr als 160 Schiffe hätten die Wasserstraße seit der Freigabe des Verkehrs am Montag durchfahren, teilte der Kanaldienstanbieter Leth Agencies mit. Etwa 290 warteten am Mittwoch aber noch am nördlichen und südlichen Ende des Kanals. Darunter seien vor allem Massengutfrachter, Containerschiffe und Öltanker. Außerdem wurde die Ankunft von mehr als 40 zusätzlichen Schiffen erwartet.

Rabi hat einen Normalbetrieb bis Ende der Woche in Aussicht gestellt. Betroffene Unternehmen gehen aber davon aus, dass die Blockade deutlich länger Folgen für den Handel haben wird. Der Vorfall werde «über Wochen wellenförmige Auswirkungen auf globale Lieferketten» verursachen, teilte die dänische Reederei Maersk mit. Export- und Importfirmen sowie Schiffsbetreiber müssen nun so schnell wie möglich Liegeplätze in Häfen sichern und ihre Fracht ans Ziel bringen.

Betroffen sind nach Schätzungen der Tierschutzorganisation Animals International auch rund 200.000 Tiere, die wegen der Blockade sterben könnten, 130.000 davon aus Rumänien. An Bord der 16 Schiffe am Suezkanal, die Vieh von der EU zum Persischen Golf transportieren, neigten sich Futter und Wasser dem Ende, berichtete die Nachrichtenseite «EU Observer» unter Berufung auf die Organisation.

Das Ausmaß des wirtschaftlichen Schadens – wahrscheinlich in Milliardenhöhe – ist noch nicht absehbar. Heute seien Milliarden Menschen auf einzelne Schritte der Lieferketten angewiesen, schrieb Elisabeth Braw vom American Enterprise Institute im Magazin «Foreign Policy» – «von Orangen über Maschinen bis zu Hafenarbeitern und komplexer Software, die jeden Schritt organisiert». Die vielen Schwachstellen und Risiken würden dabei aber ignoriert.