18. April 2021

Börsenprofi

Die Börsen im Überblick

Dickes Plus für einige Importbiere in der Pandemie

Corona-Bonus? Die Kneipen sind zu und der Urlaub ist noch in weiter Ferne. Einige Importbiere verzeichnen in der Corona-Pandemie kräftige jedoch Zuwächse.

Budweiser, Corona Extra, Heineken und Co: In der Pandemie haben eine Reihe von Importbieren nach einer Analyse des Getränkemarktmagazins «Inside» deutliche Zuwächse in Deutschland erzielt.

«Der deutsche Verbraucher greift in der Krise vermehrt zu hochpreisigem Bier. Und damit gerne zu Importmarken», sagte Herausgeber Niklas Other der dpa. Vermutlich wollten sich die Käufer mit dem Griff zu höherpreisigem Bier einfach etwas gönnen. Der deutsche Marktführer Radeberger Gruppe sieht einen Effekt aus den Kneipenschließungen. Bier-Fans holten sich das Erlebnis nach Hause. Nach Beobachtung des Deutschen Brauer-Bundes werden Importbiere von Supermärkten auch für Aktionen genutzt und entsprechend beworben.

Nach Informationen des Magazins legte das tschechische Budweiser Budvar als stärkste Importmarke in Deutschland im Jahr 2020 kräftig um 83 000 Hektoliter beziehungsweise 22,9 Prozent auf 446.000 Hektoliter zu. Die Marke Heineken erreichte demnach bei einem prozentual noch höheren Zuwachs über 400.000 Hektoliter im vergangenen Jahr. Einschließlich der übrigen Marken – unter anderem Desperados und Gösser Naturradler – sei Heineken Deutschland inzwischen die größte Importfirma für Bier nach Deutschland. Es folgt laut Analyse des Getränkemarktmagazins der japanischen Braukonzern Asahi, der mit der polnischen Marke Tyskie und der tschechischen Marke Pilsner Urquell ebenfalls stark in Deutschland vertreten ist.

Am schnellsten wuchs im vergangenen Jahr nach den «Inside»-Daten allerdings ein anderes Bier: Corona Extra. «Verbraucher machten sich offenbar einen Spaß aus dem Namen. Das in Belgien hergestellte, vermeintlich mexikanische Bier des Braukonzerns Anheuser Busch Inbev schoss in Deutschland auf 150.000 Hektliter Absatz», erklärte Other. Das entspreche einem Plus gegenüber 2019 von 50 Prozent. Nach Unternehmensangaben stieg das Volumen der Marke Corona im Vergleich von 2019 zu 2020 sogar um mehr als 50 Prozent. «Die Marke Corona ist seit langem eine der stärksten und bekanntesten Biere weltweit», sagte ein Sprecher der Anheuser-Busch InBev Germany Holding GmbH.

Wer wegen nach wie vor geschlossener Irish Pubs an diesem Mittwoch (17. März) zu Hause den St. Patrick’s Day feiern will, könnte Probleme beim Guinness-Einkauf bekommen: Es gebe Lieferengpässe, sagte Birte Kleppien, Sprecherin der für den Guinness-Vertrieb in Deutschland zuständigen Radeberger Gruppe. Das betreffe vor allem die Marke Guinness Draught. «Die Engpässe resultieren – wie so viele Verwerfungen bei Nachfrage und Absatz – aus der Corona-Pandemie.» Guinness und auch Kilkenny seien stark in der Gastronomie verankerte Marken. Bier-Fans wünschten sie sich frisch gezapft. Als Ersatz griffen viele bevorzugt zum Guinness Draught aus der Dose, sagte sie.

Ein weiteres Hindernis ist dem Guinness-Mutterkonzern Diageo zufolge, dass wegen der Pandemie einige Teile, die für die Verpackung von Guinness Draught benötigt werden, knapp seien. Weltweit sind zudem Bars geschlossen. Dies habe die «Verbrauchernachfrage nach Guinness auf den Einzelhandel verlagert», hieß es ähnlich auch bei Diageo.

Der Deutsche Brauer-Bund äußert sich nicht zu einzelnen Marken, verweist aber auf einen relativ geringen Marktanteil der Importbiere und die große Vielfalt, die in Richtung 7000 verschiedene Marken zunehme. «Der Bierimport ist in Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Staaten relativ gering», sagte Hauptgeschäftsführer Holger Eichele. Laut den Verbandsdaten lag der Import im Jahr 2019 bei 7,29 Millionen Hektolitern und machte somit rund acht Prozent vom Bierausstoß aus. Der Bierexport war demnach mehr als doppelt so hoch und machte mit 15,91 Millionen Hektolitern 17,4 Prozent vom Ausstoß aus. Daten für 2020 lagen dem Brauer-Bund noch nicht vor. «Wir sehen aber keine großen Verschiebungen im Markt», unterstrich Eichele.

Von Volker Danisch und Mareike Graepel, dpa