4. Oktober 2022

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IfW: Energiepreise und Demografie schmälern Wachstum länger

Neben dem demografischen Umbruch in der Gesellschaft, beeinträchtigen auch aktuelle Entwicklungen laut dem IfW die langfristige Wirtschaftskraft im Land.

Die hohen Energiepreise und der Renteneintritt der geburtenstarken Jahrgänge schmälern nach Einschätzung des Kiel Instituts für Wirtschaftsforschung (IfW) über Jahre die deutsche Wirtschaftsleistung. «Die Alterung der Gesellschaft drückt die Wachstumsaussichten empfindlich, weil künftig weniger Menschen arbeiten werden», sagte der Konjunkturchef und Vizepräsident des IfW, Stefan Kooths, einer Mitteilung vom Montag zufolge. «Hinzu kommen nun infolge des Krieges in der Ukraine knapper und teurer gewordene Energierohstoffe, die in vielen Produktionsprozessen eine wichtige Rolle spielen. Dies schmälert Deutschlands Wirtschaftskraft obendrein.»

Nach der mittelfristigen Projektion des Instituts dürfte die bei normaler Auslastung der Produktionskapazitäten mögliche Zunahme der Wirtschaftsleistung Ende 2027 nur noch knapp 0,7 Prozent betragen, während sie im langjährigen Durchschnitt vor der Corona-Krise bei 1,3 Prozent gelegen habe. «Die deutsche Wirtschaft operiert bereits seit 2020 unterhalb ihrer Möglichkeiten, dies dürfte noch bis 2025 andauern. So eine lange Phase der Unterauslastung gab es noch nie im wiedervereinigten Deutschland», hieß es zudem. «Insgesamt dürfte das Bruttoinlandsprodukt in diesem Zeitraum rund 300 Milliarden Euro niedriger liegen als es bei normaler Auslastung der Produktionsfaktoren möglich wäre.» Ohne die sprunghaft gestiegenen Gas- und Strompreise wären die gesamtwirtschaftlichen Kapazitäten in diesem Jahr vermutlich wieder in etwa normal ausgelastet worden.

Als bereits länger bekannten Faktor nennen die IfW-Forscher die Demografie: Demnach scheiden nach 2023 regelmäßig mehr Personen aus dem Erwerbsleben aus, als neue hinzukommen. Im Schnitt verliere der deutsche Arbeitsmarkt so 130.000 Erwerbspersonen pro Jahr. «Eine höhere Zuwanderung und eine höhere Partizipationsrate am Arbeitsmarkt – etwa über bessere Kinderbetreuung oder flexiblere Arbeitszeitmodelle – können den Effekt zwar dämpfen, ihn aber nicht aufhalten.»