22. April 2021

Börsenprofi

Die Börsen im Überblick

Zinsflaute macht Sparkassen zu schaffen

In der Corona-Pandemie legen die Menschen in Deutschland Geld auf die hohe Kante. Doch steigende Einlagen sind für Sparkassen in der Zinsflaute kein gutes Geschäft. Das hat Folgen für Sparer.

Die Sparfreude der Menschen in der Corona-Krise belastet die Sparkassen in der Zinsflaute. Im vergangenen Jahr verbuchten die öffentlich-rechtlichen Institute einen Einlagenzuwachs in Höhe von 79,1 Milliarden Euro – ein Rekordplus von 7,9 Prozent.

«Diese liebevolle Umarmung der Kunden nimmt uns unter Negativzinsbedingungen aber zunehmend betriebswirtschaftlich die Luft zum Atmen», sagte der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Helmut Schleweis, am Mittwoch in Berlin. «Deshalb müssen die Sparkassen gegensteuern.»

Dabei gehe es um Kündigungen von aus heutiger Sicht zu hoch verzinsten Einlagen im Sparbereich und teilweise um Verwahrentgelte bei Termingeldern und auf Sichteinlagen wie Girokonten. Geschäftsbanken müssen Negativzinsen zahlen, wenn sie Geld bei der Europäischen Zentralbank (EZB) parken. Das kostete die Sparkassen im vergangenen Jahr Schleweis zufolge trotz Freibeträgen rund 120 Millionen Euro. In diesem Jahr könnten es mehr als 240 Millionen Euro werden. Immer mehr Geldhäuser geben die Negativzinsen an Kunden weiter, in der Regel bei größeren Summen.

Auf der Suche nach lukrativen Anlagen legten Sparer teilweise über Zinsportale auch bei der inzwischen in Turbulenzen geratenen Bremer Greensill Bank Geld an, die ungewöhnliche hohe Zinsen bot. Schleweis zufolge arbeiten nur einige wenige Sparkassen mit Zinsportalen zusammen. Das Geschäftsmodell der Portale könne problematisch sein, wenn die dahinter stehende Bank in Probleme gerate, sagte Schleweis. Man sein derzeit noch im Bewertungsprozess zu den Plattformen.

Lange verdienten Geldhäuser gut daran, dass sie mehr Zinsen für Kredite kassierten, als sie Sparkunden für Guthaben zahlten. Doch die Differenz aus beidem, der Zinsüberschuss, schrumpft. Der für die Institute zentrale Zinsüberschuss sank im vergangenen Jahr um 662 Millionen Euro auf 19,6 Milliarden Euro. Die inzwischen 376 (Vorjahr: 378) Sparkassen kamen zusammen auf einen Jahresüberschuss von 1,6 Milliarden Euro (Vorjahr: 1,8 Mrd). In der Krise sagten die Institute Unternehmen und Selbstständigen neue Kredite in Höhe von 106,4 Milliarden Euro zu, 14,1 Prozent mehr als 2019.

Sorgen bereitet dem Verband, dass sich die wirtschaftliche Situation gewerblicher Kunden seit Beginn des Jahres 2021 verschlechtert hat. «Nachdem die Einnahmesituation der Unternehmen bis Ende 2020 weitgehend stabil war, gehen seit Januar 2021 die Umsätze und die Finanzkraft teilweise stark zurück», sagte Schleweis. Das gelte vor allem für den vom zweiten Lockdown betroffenen Einzelhandel jenseits von Lebensmitteln, für Dienstleistungsbereiche sowie das Hotel- und Gaststättengewerbe. Schleweis forderte mehr Tempo bei der Auszahlung der staatlichen Überbrückungshilfen sowie mehr Öffnungsperspektiven.

Die Pandemie bremst weiterhin den geplanten Umbau der Sparkassen-Finanzgruppe. Das angestrebte Zentralinstitut für den öffentlich-rechtlichen Sektor bleibt vorerst auf Eis gelegt. «Niemand wird in einer wirtschaftlichen Krise ernsthaft erwägen, Banken zu fusionieren», sagte Schleweis. Das Vorhaben könne erst wieder aufgenommen werden, wenn die Risiken aus der Corona-Pandemie sicher abschätzbar sein. Es gebe noch keinen Zeitplan. Er halte aber an dem Ziel «ohne Abstriche fest».