25. Mai 2024

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ProSiebenSat.1 kündigt Stellenabbau an – Fokus auf Joyn

Für Kunden soll die Streaming-Plattform die zentrale Anlaufstelle für den Medienkonsum werden. Konzernweit kommen unterdessen die Organisationsstrukturen auf den Prüfstand.

Der Fernsehkonzern ProSiebenSat.1 will in einem schwierigen Konjunkturumfeld Arbeitsplätze abbauen und dadurch Kosten senken. Zeitgleich setzt der neue Konzernchef Bert Habets auf die hauseigene Streaming-Plattform Joyn. «Künftig liegt unser Investitionsfokus auf dem Entertainment-Geschäft», sagte Habets. Dazu zählt neben Werbeerlösen auch die Produktion von Programminhalten.

Joyn will der Ex-RTL-Manager Habets zur zentralen Anlaufstelle für Medienkonsum ausbauen. Neu ist der Plan nicht. Bereits heute sind die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF auf Joyn zu sehen. Die offene Einladung dürfte also vor allem in Richtung Köln zum Konkurrenten RTL gehen, der mit RTL+ ein eigenes Projekt forciert. Vom größten ProSiebenSat.1-Aktionär MediaForEurope hieß es auf Nachfrage, man habe das Strategie-Update wahrgenommen und freue sich auf den Dialog.

Kurzfristig sollen laut Habets die Organisationsstrukturen auf den Prüfstand kommen. Der Manager kündigte einen Stellenabbau über den gesamten Konzern hinweg an. Konkrete Zahlen nannte er aber nicht. Bereits beschlossen ist, dass bei der ParshipMeet Group Prozesse verschlankt werden. Vor allem Arbeitsplätze im US-Geschäft des Video-Segmentes der ParshipMeet Group stünden auf dem Prüfstand, hieß es.

Spitze statt Dooppelspitze

Habets will die «Organisationsstruktur straffen, Redundanzen verringern und somit Effizienz steigern.» Erste konkrete Maßnahmen hat er bereits ergriffen: Anstelle der Doppelspitze leitet nur noch Marc Schachtel das Unternehmen. Der bisherige Co-Chef Geoff Cook scheide «im besten gegenseitigen Einvernehmen» aus. Finanzchef Henning Rönneberg soll zusätzlich das Tagesgeschäft der ParshipMeet Group verantworten.

ProSiebenSat.1 hatte in der Vergangenheit erwogen, den Datingportal-Anbieter an die Börse zu bringen. Die Corona-Pandemie und der Ukraine-Krieg durchkreuzten diesen Plan jedoch. Ein Börsengang sei derzeit «keine realisitische Option», sagte er.

Unterdessen bleibt die Unsicherheit über die fristgerechte Vorlage des Jahresabschlusses der Gruppe hoch. Denn frühestens Ende April sei mit ersten Ergebnissen der Untersuchung über regulatorische Unklarheiten bei dem zur Unternehmensgruppe gehörenden Erlebnisvermittler Jochen Schweizer Mydays zu rechnen, hieß es. Damit kann eine Frist gemäß der Regeln der Deutschen Börse zur Vorlage des Jahresabschlusses eventuell nicht eingehalten werden, so dass ein temporärer Rauswurf aus dem MDax droht.

Trotz der eingetrübten Aussichten auf dem Werbemarkt bestätigte ProSiebenSat.1 sein mittelfristiges Umsatzwachstumsziel von durchschnittlich vier bis fünf Prozent pro Jahr. Wachstum erhofft sich Habets auch von «Kooperationen mit unterschiedlichen Branchenpartnern» sowie Zukäufen.